OVA

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OVA ist die Abkürzung für Original Video Animation, früher oft auch als Original Animation Video (OAV) bezeichnet. Hinter dieser Abkürzung verbergen sich Anime-Serien, die nicht für das Fernsehen produziert worden sind, sondern von vorneherein nur zum Kaufen im Laden erscheinen sollten. Anders als bei Produktion von Realfilmen für den Videomarkt ist die Abkürzung OVA meistens ein Zeichen hoher Qualität, die zwischen denen von Kinofilmen und TV-Serien plaziert. Während bei TV-Serien meist ein hoher Zeitdruck herrscht, lassen sich die Produzenten von OVAs meistens deutlich mehr Zeit und versuchen den Käufer mit höherer Animationsqualität zu beeindrucken. Dies führt zu völlig anderen Konzepten und Veröffentlichungsmethoden als dies bei einer TV-Serie der Fall ist.

Die OVA war in den späten 80er und frühen 90er Jahren ein besonders wichtiges Medium. Damals boomte der Anime-Markt in Japan und dies führte zu zahlreichen Projekten, die entweder ein zu spezielles Thema hatten oder in ihrer Ausführung im Fernsehen niemals hätten laufen können.

Der Produktionsablauf sah damals meist folgendermaßen aus: Wenn eine neue OVA-Serie beschlossen war, wurden Gelder für meistens zwei Folgen bereitgestellt. Diese erschienen mit einem Abstand von ein bis zwei Monaten, so daß man auf Anregungen von den Kunden eingehen konnte. Waren die ersten zwei Folgen sehr erfolgreich, so wurden weitere Episoden in Auftrag gegeben. Blieb der Erfolg aus, so gab es zwei Möglichkeiten. Oft wurden Gelder für zwei weitere Folgen bewilligt, allerdings mit Auflagen, die Attraktivität zu steigern. Sah man gar keine Möglichkeit mehr für einen Erfolg, stellte man die Serie sang- und klanglos ein.

Aus diesem Grund findet man zahlreiche OVAs vor allem aus deren Blütephase, die nach der Einleitung und der Vorstellung der Charaktere ohne einen Handlungsabschluß einfach enden oder die vor ihrem abrupten Ende noch eine deutlich bemerkbare Steigerung des Fanservice durchleben.

Erfolgreiche OVA-Serien hatten meistens 6-12 Folgen und erzählten ohne jede Füllfolgen eine komprimierte Geschichte. Dies ist auch der Grund, warum in der Frühphase des Anime-Erfolges außerhalb Japans vor allem OVAs exportiert wurden - man traute den Käufern nicht zu, mehr als ca. sechs Videokassetten zu einer Serie zu kaufen. (Und damals waren selten mehr als zwei Folgen auf einem Tape).

Es gab aber auch sehr lange OVA-Serien, prominentester Vertreter dürfte "Herdensagen vom Kosmosinsel" mit weit über 100 Teilen sein.

Mitte der 90er Jahre geriet Japan in eine starke wirtschaftliche Rezession und diese bedeute fast das Ende des OVA-Marktes. Die Leute waren nicht mehr bereit, ca. 3000-6000 Yen für jede einzelne Folge auszugeben (Damals waren das ca. 60-120 DM). Parallel hatte sich aber vor allem der US-amerikanische Markt zu einem wichtigen Geldgeber entwickelt und dort wollte man vor allem kurze Serien, die sich in erster Linie an ein erwachseneres Publikum verkaufen lassen.

Statt speziell OVAs für diesen Markt zu produzieren, verkaufte man Lizenzen an den sogenannten "Late Night Series", die zwischen 22 Uhr und 3 Uhr morgens im japanischen Fernsehen liefen und zumeist auf 13 Episoden konzipiert waren. Einerseits wollte man die nun erwachsen gewordenen japanischen Fans der OVAs erreichen, die erst um diese Zeit von der Arbeit nach Hause kommen, andererseits konnte man mit diesen Serien auch die ausländischen Märkte bedienen, indem man sie dort als OVA vermarktete.

Heute hat sich der japanische Markt schon wieder gewandelt. Die "Late Night Series" existieren zwar noch, sind aber als "besonderes" Medium in den Hintergrund getreten - abgelöst wurden sie durch eine Renaissance der OVA-Serien und vergleichbarerer Serien im Bezahlfernsehen, wo man auf Kinder keine Rücksicht nehmen muß. Zusätzlich sind auch die Serien im frei empfangbaren japanischen Fernsehen deutlich kürzer geworden.

Die OVA-Serien haben sich also ihre Marktnische zurückerobert, die goldenen Zeiten sind aber vorerst vorbei. Heute geht man kein Risiko mehr ein, war doch gerade die Experimentierfreudigkeit ein Markenzeichen der OVA-Serien.

Bleibt nur noch zu sagen, dass die meisten Hentai-Animes natürlich OVA-Serien sind - ganz natürlich, da Hentais nicht als TV-Serien oder Kinofilme veröffentlicht werden und trotzdem einen Marktanteil von ca. 5% an allen produzierten Animes haben.