Lolicon

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Lolicon (jap. ロリコン rorikon) ist eine Abkürzung des Begriffs Lolita-Komplex (ロリータ・コンプレックス rorīta konpurekkusu). Damit werden in Japan sowohl sexuell explizite Darstellungen fiktiver minderjähriger Mädchen mit einem anscheinenden Alter von acht bis 13 Jahren als auch die sexuelle Fixierung darauf bezeichnet.

Herkunft[Bearbeiten]

Eine These zur Herkunft des Lolicon-Genres ist, dass durch das Verbot, Schamhaar zu zeigen, viele Zeichner ihre Charaktere jung aussehen, und das Schamhaar einfach weg ließen. Als das Verbot Anfang der 90er-Jahre aufgehoben wurde, hatte sich die Darstellung kleiner Mädchen (und Jungen) bereits zu einem eigenen Genre entwickelt, und hat sich bis heute gehalten.

Wann genau das Genre entstanden ist, und welcher der „erste“ Lolicon-Manga war, lässt sich aufgrund des fließenden Verlaufs der Entwicklung nicht feststellen. Nachdem anfangs nur aus Gründen der Zensur das Schamhaar weggelassen wurde, gingen die Mangaka bewusst da hin, jüngere Charaktere zu zeichen. Mitte der 90er-Jahre schaffte das Genre seinen Durchbruch, obwohl schon früher komplett auf Lolicon basierte Tankōbons veröffentlicht wurden. Dōjinshi wurden auch schon viel früher publiziert, wenn auch meistens nur für Conventions, und bei weitem nicht in einer so großen Stückzahl wie bei bekannten Hentai-Manga. Zu den ersten Mangakas und Zirkeln zählen (mit jeweils zugehöriger Tankōbon-Erstveröffentlichung; viele veröffentlichten vor ihrem Durchbruch Dōjinshi):

Subgenres[Bearbeiten]

  • Toddlercon ist ein weiteres westliches Wort; im Wesentlichen bezeichnet es Lolicon, die sehr junge Mädchen bis hin zum Kleinkindalter (engl. toddler) darstellen. Dieses Subgenre wurde geschaffen, um eben dieses von „normalen“ Lolicon zu unterscheiden, da viele Anhänger des Lolicon sexuelle Darstellungen von Kleinkindern als geschmacklos empfinden.

Desweiteren steht noch das Shotacon-Genre (Abbildungen minderjähriger Jungen bzw. die sexuelle Fixierung darauf) in Bezug zu Lolicon, ist aber eher das Gegenstück dazu als ein Subgenre.

Gesellschaft[Bearbeiten]

Obwohl Japan einer der größten Lolicon-Produzenten und -Märkte der Welt ist, gibt es keine Hinweise darauf, dass die Zahl sexueller Übergriffe gegenüber Kindern dadurch erhöht würde. Der offene Umgang mit Lolicon scheint allerdings die freiwillige Prostitution von Minderjährigen, meist Schülerinnen, zu begünstigen (Enjokōsai).

Lolicon ist in Japan unter der Auflage aller pornographischer Medien (nicht jugendfrei, Zensierung der Geschlechtsteile etc.) frei verfügbar (siehe Wandel der Zensur).

Die Frage, ob Lolicon-Materialien die Hemmschwelle von Übergriffen auf Kinder herabsetzt oder eine Ersatzhandlung für das Ausleben des Lolikon-Fetisches ist, ist nach wie vor Streitpunkt vieler Diskussionen zwischen Anhängern und Kritikern des Genres.

Viele westliche Länder haben noch keine klare Defintion oder Gesetze, die den Status solchen Materials regeln (siehe Rechtliche Lage).

Wandel der Zensur[Bearbeiten]

Printmedien[Bearbeiten]

Anzumerken ist, dass viele Dōjinshi, die auf Conventions verkauft werden, also keinen großkommerziellen Vertrieb haben, auf Zensur komplett verzichten. Dazu kommen Underground-Publikationen, die zumeist unter der Hand verkauft werden und seit jeher die Zensur ignoriert haben. Da sich dies in gewisser Weise auf die Verkaufszahlen „normaler“ Publikationen schlug, wurde der Grad der Zensur im Verlauf der Zeit immer mehr geschwächt und vermindert. So reichte er noch Anfang der 90er-Jahre von einem großen schwarzen Kreis, der die gesamte Lendengegend abdeckte (sehr selten auch ein Mosaik), bediente man sich im Lauf der Zeit von schwarzen, weißen oder grauen Balken oder Kreise, die nur die Klitoris und die Eichel verdeckten. Später wurden diese Balken semidurchsichtig und so klein, daß man sie kaum noch erkannte. Mittlerweile wird die Zensur auch in durch große Verlage veröffentlichen Printmedien weggelassen, zum Beispiel einige Veröffentlichungen der Mangaka Nekogen, Ogawa Kanran, Hoshino Fūta, obwohl das Gesetz zur Zensur immer noch wirksam ist.

Anime[Bearbeiten]

Im Gegensatz zu den Printmedien wird in animierten Materialen fast ausschließlich mit Mosaiken gearbeitet, analog ist aber die Größe der Mosaike deutlich kleiner geworden, und auch die Mosaikdichte wurde verfeinert, so daß man bei gleicher Mosaikgröße mehr Details erkennen kann. Mittlerweile wird aber auch hier bereits in einigen Veröffentlichungen die Zensur gänzlich weggelassen.

Da sich zensierte Hentais außerhalb Japans schlecht verkaufen, wurden viele (besonders für den Vertrieb in Amerika gedachte) Filme unzensiert neu aufgelegt, die zum großen Teil von Japanern trotz Verbot re-importiert wurden.1 Diese Verfahrensweise drängte die Produzenten dazu, den Grad der Zensur immer weiter herunterzusetzen.

Computer Graphics[Bearbeiten]

Das geläufige Zensur von Computer Graphics (oft mit CG abgekürzt) ist ebenfalls das Mosaik. Besonders in Hentai-Videospielen war es üblich, die Zensur so zu umgehen, dass das Bild selbst unzensiert war, und erst während des Spiels ein Mosaik darübergelegt wurde. Diese Funktion konnte oft mit einem inoffiziellem Patch, den man sich aus dem Internet downloaden konnte, abgestellt werden.

Mittlerweile wird sehr häufig Gmask2 zur Zensur verwendet. Ein bestimmter Bereich des Bildes wird für das menschliche Auge unkenntlich gemacht, indem die Farben der Bildpunkte nach einem bestimmten Muster (Passwort) verändert werden. Diese Zensur kann rückgängig gemacht werden, wenn man das verwendete Passwort kennt. Dieser Vorgang ist vergleichbar mit dem Verschlüsseln von Archivdateien.

Einige Vertreter (Auswahl)[Bearbeiten]

Wichtige Mangaka[Bearbeiten]

Mit drei oder mehr Tankōbon-Veröffentlichungen.

Wichtige Lolicon-Manga-Magazine[Bearbeiten]

Rechtliche Lage[Bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten]

Was ist Pornographie in Deutschland?[Bearbeiten]

Der Gesetzgeber definiert den Begriff pornographische Schriften im § 11 III StGB. Danach stehen der Schriftform Ton- und Bildträger, Datenspeicher, Abbildungen und andere Darstellungen gleich. Dies bedeutet, dass auch gezeichnete Werke die Tatbestandsvoraussetzungen des Pornographieverbotes erfüllen können.

Rangstufen der Pornographie[Bearbeiten]

Der Gesetzgeber definiert drei verschiedene Stufen der Pornographie. Es wird zwischen der einfachen (§ 184 StGB) und der schweren; (§§ 184a, 184b I StGB) Pornographie unterschieden und zuletzt gibt es noch die besondere Klassifizierung „Kinderpornographie”, die ein tatsächliches oder wirklichkeitsnahes Geschehen wiedergibt (§ 184b II, IV StGB).

Harte Pornographie[Bearbeiten]

Da das Strafgesetzbuch einen einheitlichen Pornographiebegriff (§ 11 III StGB) verwendet, fallen auch gezeichnete Bilder, die den Missbrauch von Kindern zum Inhalt haben, unter den Begriff harte Pornographie. Das Strafgesetzbuch definiert den Begriff „kinderpornographische Schriften” als pornographische Schriften, die den Missbrauch von Kindern (§§ 176 bis 176b) zum Gegenstand haben. Es hat hier im Jahre 2004 eine Änderung des Wortlautes gegeben. Neu gegenüber der alten Definition ist der konkrete Verweis auf die Kindesmissbrauchsparagraphen des Strafgesetzbuches. Es wurde diskutiert, ob damit der Begriff der „kinderpornographischen Schriften” auf Handlungen eingeschränkt werden sollte, die eine tatsächliche Schädigung von Kindern voraussetzt. Dies ist allerdings eher zweifelhaft und würde erstens der allgemeinen Verschärfung der Sexualstrafdeliktsnormen und der alten Rechtsauffassung der Gerichte zuwiderlaufen und außerdem der Spezialnorm des § 184b IV StGB den Sinn entziehen.

Damit wird die Verbreitung, das öffentliche Ausstellen, jede Form der Vorführung oder des zugänglichmachens, sowie die Vorbereitungshandlungen des § 184b I 1 Nr. 3 StGB unter Strafe gestellt. Nicht verboten ist der reine Besitz von so genannter harter Pornographie.

Verbot des Besitzes von kinderpornographischen Schriften in besonderen Fällen[Bearbeiten]

Es gibt allerdings noch die Spezialnorm des § 184b IV StGB, die bereits den Besitz von kinderpornographischen Schriften, welche ein tatsächliches oder wirklichkeitsnahes Geschehen wiedergeben, unter Strafe stellen. Entscheidend ist der Zusatz, dass ein qualifiziertes Geschehen der pornographischen Schrift zugrunde liegen muss. Die bestehende Rechtsprechung verlangt dafür die tatsächliche Schädigung eines Kindes, so dass gezeichnete Materialien nicht unter diese Norm zu fallen (vergleiche Dreher/Tröndle oder Lackner/Kühl). Kritisch wird es allerdings bereits bei Computergrafiken, bei denen nicht mehr klar zu erkennen ist, ob es sich um ein tatsächliches Foto oder um eine Montage handelt.

Änderung des Strafgesetzbuches im Jahr 2004[Bearbeiten]

Der deutsche Gesetzgeber hat im Jahr 2004 eine ganze Reihe von Änderungen an den Sexualstrafdelikten vorgenommen. Dabei wurden einige Tatbestände verschärft, zusätzlich formulierte der Gesetzgeber einige Normen um. Der § 184 StGB, bei dem es um alle Straftaten geht, die im Zusammenhang mit Pornographie geahndet werden, wurde bei dieser Änderung so neu gefasst, dass alte Kommentare und Texte in Literatur, Rechtssprechung oder auch im Internet nur noch eingeschränkt aussagekräftig sind. Der Wortlaut der einzelnen Passagen wurde zu sehr großen Teilen beibehalten, jedoch unverständlicherweise zusätzlich umsortiert:

Früher sah die Struktur des § 184 StGB so aus:

  • § 184 Absatz 1 StGB = Straftaten im Zusammenhang mit einfacher Pornographie
  • § 184 Absatz 2 StGB = Verbreitung von Pornos im Rundfunk
  • § 184 Absatz 3 StGB = Straftaten im Zusammenhang mit harter Pornographie
  • § 184 Absatz 5 StGB = Verbot des Besitzes kinderpornographischen Materials in besonderen Fällen
  • § 184a StGB = Ausübung verbotener Prostitution
  • § 184b StGB = Jugendgefährdende Prostitution
  • § 184c StGB = Begriffsbestimmungen

Nach dem neuen Rechtsstand sind die obigen Punkte jetzt unter neuen Hausnummern zu finden:

  • § 184 Absatz 1 StGB = Straftaten im Zusammenhang mit einfacher Pornographie
  • § 184a StGB = Straftaten im Zusammenhang mit harter Pornographie (1/2)
  • § 184b Absatz 1 StGB = Straftaten im Zusammenhang mit harter Pornographie (2/2)
  • § 184b Absatz 4 StGB = Verbot des Besitzes kinderpornographischen Materials in besonderen Fällen
  • § 184c StGB = Verbreitung von Pornos im Rundfunk, Medien- oder Telediensten.
  • § 184d StGB = Ausübung verbotener Prostitution
  • § 184e StGB = Jugendgefährdende Prostitution
  • § 184f StGB = Begriffsbestimmungen

Zusammenfassung[Bearbeiten]

Man kann also zusammenfassen, dass der reine Besitz von Lolicon-Hentai wohl noch nicht strafbar ist, aber jede Weitergabe, jedes Verleihen oder sonstiges Zugänglichmachen an Dritte. Das Einführen von pornographischen Schriften im Wege des Versandhandels ist übrigens sogar für einfache Pornographie unter Strafe gestellt. Das persönliche Einführen oder Zeichnen ist dagegen nur dann strafbar, wenn man die Materialien Dritten zugänglich macht.

Seit Jahren wird übrigens gefordert den Zusatz „tatsächliches oder wirklichkeitsnahes Geschehen” zu streichen. Dies ist allerdings bei der Neufassung des § 184 StGB nicht geschehen, so dass die alten Urteile wohl noch die aktuelle Haltung der Gerichte widerspiegeln sollte.

Andere Länder[Bearbeiten]

In Japan sind gezeichnete Lolicon-Darstellungen legal, solange keine realen Kinder (z.B. Child Models) als Modell dienen. Seit 2000 wird zwischen Lolicon und Kinderpornographie distinktiv unterschieden, da letzteres illegalisiert wurde.

Viele Länder haben eine nicht ganz eindeutige Rechtslage, was Lolicon angeht. So sind zum Beispiel in Großbritannien, Kanada und den Niederlanden zwar „realistische Darstellungen von Kindern in sexuellen Handlungen oder Posen“ als „virtuelle Kinderpornographie“ verboten, aber inwiefern Lolicon unter diese Definition fällt, ist noch nicht genau geklärt.

Im Februar 2005 wurde ein Mann aus Edmonton (Kanada) wegen Verdacht auf Import von Kinderpornographie verhaftet.4, 5 Er wollte 15 Lolicon-Tankōbons importieren. Er wurde zu einer Geldstrafe und gemeinnütziger Arbeit verurteilt und für fünf Jahre in die Sexualstraftäter-Liste aufgenommen. Die kanadische Presse hat aber – dieses Metiers unkundig – viele Begriffe verwechselt oder sinnentstellt. So hieß es z.B. in der Edmonton Sun: „Anime ist illegal in Kanada, aber nicht illegal in Japan und den vereinigten Staaten“c

In den USA wurde vom obersten Gerichtshof im Ashcroft vs. Free Speech Coalition Verfahren7 entschieden, dass Lolicon unter „Free Speech“ falle, und somit legal sei. Damit wurde das kurz zuvor erlassene Amber Alert-Gesetz, das nicht zwischen „virtueller“"und „realer“ Kinderpornographie unterschied, als verfassungswidrig erklärt.8 Im April 2004 ist ein 53-jähriger Mann aus Richmond verurteilt worden, weil er sich Lolicon-Bilder an einem öffentlichen Rechner eines Arbeitsamtes angeschaut hat und dabei entdeckt wurde.9 Dazu ist zu sagen, dass er an dem gleichen Computer auch echte Kinderpornos versendet und empfangen hat.

Im Februar 2010 verurteilte ein amerikanisches Gericht einen Mann für den Besitz von Lolicon-Mangas zu einer Gefängnisstrafe von 6 Monaten. Laut Bericht hätte ohne eine vorher erfolgte Einigung mit dem Gericht, eine Freiheitsstrafe von bis zu 15 Jahren gedroht. 11

Sonstiges[Bearbeiten]

Häufig kommt es auch vor, dass Dōjinshi-Zeichner Charaktere, die in den Vorlage-Manga oder -Anime volljährig bzw. erwachsen sind, als loli zeichnen. Diese Vorgehensweise ist besonders bei Serien anzutreffen, in denen weiblichen Charaktere überdurchschnittlich größe Brüste oder andere deutlich Merkmale von erwachsenen Frauen haben.

Am 25. Januar 2006 veröffentliche der Verlag Akane Shinsha den Lolicon-Hentai-Manga Shiawase Pantsu („Schlüpfer der Glücklichkeit“) von Usakun zusammen mit einem Mädchenschlüpfer als Werbegeschenk. Die Nachfrage nach diesem Manga war so riesig, dass bereits wenige Wochen nach Verkaufsstart eine neue Auflage gedruckt werden musste, da dem Verlag bereits unzählige Nachbestellungen vorliegen. Aus Kostengründen wird in der zweiten Auflage aber kein Schlüpfer mehr mit dabei liegen.10

Im August 2005 wurde das Computerspiel Sukumizu von Studio Circus mit einem Schulschwimmanzug als Beilage verkauft.

Quellenangaben[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]