Josei

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Josei (jap. 女性, dt. „Frau“) ist eine Kategorie, in die ein Manga, entsprechend der Zielgruppe des Manga-Magazins, in dem er gelaufen ist, eingeordnet wird. Josei richtet sich an Frauen über achtzehn Jahre, wohingegen Shōjo die Zielgruppe unter diesem Alter ist. In Japan ist der Begriff Ladies Comics (レディーズ・コミックス redīzu komikkusu) geläufiger.

Ähnlich dem Seinen-Manga, dem männlichen Pendant zum Ladies Comic, wechseln viele Shōjo-Mangaka in ihrer Karriere irgendwann zum Josei-Manga.

Geschichte[Bearbeiten]

Erste Manga, die sich an erwachsene Frauen richteten, erschienen bereits Ende der 1960er Jahre in gängigen Frauenzeitschriften. Sie wurden oft von wenig profilierten Mangaka gezeichnet und lebten nur in den Zeitschriften.

1969 unternahm Tezuka Osamu den ersten Versuch, ein Manga-Magazin für Frauen herauszubringen, das Funny. Das Magazin floppte jedoch und wurde innerhalb eines Jahres wieder eingestellt. Nicht viel anders erging es der 1972 gegründeten Zeitschrift Papillon von Futabasha. Zwar setzte man auf bekannte Namen wie Ōshima Yumiko und Yamagishi Ryōko, doch auch diese konnten die Pleite nicht abwenden. Jeweils das Funny, als auch Papillon unternahmen in den folgenden Jahren Zweitversuche, doch die scheiterten noch kläglicher als zuvor.

Der Weg für den späteren Ladies Comic wurde von anderer Seite geebnet. 1975 gründete der Kōdansha-Verlag das Shōjo-Manga-Magazin Mimi, das sich an Mädchen ab 16 Jahre richtete. Statt auf ein Nischenpublikum zu setzen, bot es heranwachsenden jungen Frauen die Möglichkeit, mit dem Shōjo-Manga erwachsen zu werden. Der Erfolg des Mimi inspirierte weitere Verlage, mit ähnlich konzipierten Magazinen auf den Markt zu kommen. 1977 folgte Shōgakukan mit Petit Comic, 1978 Shūeisha mit dem Bouquet. Im selben Jahr noch kam Shōgakukan mit Petit Seven, das sich wiederum an etwa zwei, drei Jahre ältere Mädchen richtete.

1979 schien schließlich die Zeit reif für ein Magazin, das sich an Frauen über 20 richtete. Das Desir erschien. Als Geburtsstunde des Ladies Comics oder Josei-Manga kann jedoch die Gründung der beiden Magazine You (bei Shūeisha) und Be Love (bei Kōdansha) im Jahr 1980 gesehen werden. Es war auch zu dieser Zeit, da die beiden Ausdrücke als Genre-Klassifizierung eingeführt wurden. Bis heute sind diese beiden Zeitschriften die erfolgreichsten Ladies-Comics-Publikationen Japans.

In den 1980er Jahren machte der Ladies Comic einen Boom durch. Zwar konnte er sich nicht mit den Erfolgen der etablierten Genres messen, doch erschienen einige höchst populäre Serien zu dieser Zeit. An die 40 neue Magazine wurden gegründet, so dass bis Ende der 1980er Jahre jeder große Verlag sein eigenes Ladies-Comics-Imprint hatte. Viele Shōjo-Mangaka der 1960er und 1970er wechselten in dieser Zeit in das Ladies-Comics-Fach und versuchten, ihr Publikum von damals so zu erreichen – darunter Ikeda Riyoko, Igarashi Yumiko, Maki Miyako und Ide Chikae.

Der Erfolg führte zu einer weiteren Differenzierung des Genres, da der Ruf nach erotischen Manga für Frauen größer wurde – die Mehrzahl der bis dahin erschienen Magazine konzentrierte sich eher auf emotionale Inhalte. Als Folge erschien 1990 das Comic Amour, das sich ganz dem pornographischen Frauenmanga widmete. Innerhalb von kurzer Zeit dominierte im öffentlichen Auge die sexuelle Variante, viele junge Mangaka wurden zu frühzeitigen Debüts gedrängt und das Genre schien sich zu verflachen. Ab Mitte der 90er schwand das allgemeine Interesse am Ladies Comic und wenigere Werke wurden als Tankōbon gesammelt.

Nur die großen Magazine (You, Be Love, Judy) konnten sich dieser Stagnation widersetzen und brachten nach wie vor erfolgreiche (allerdings bei weitem immer noch nicht annähernd erfolgreiche Titel wie beispielsweise der Seinen-Manga) Serien hervor.

Bereits seit Ende der 1980er Jahre gab es außerdem eine avantgardistische Bewegung im Josei-Manga. Mangaka wie Okazaki Kyōko, Sakurazawa Erika und Uchida Shungiku arbeiteten für kleinere Verlage und schufen künstlerisch herausragende Titel, die sich sowohl zeichnerisch als auch inhaltlich von kommerziellen Josei-Manga abhoben. Mit dem Magazin Feel Young und ähnlichen Publikationen wie CUTiE Comic fand diese Bewegung eine Plattform.

Überraschenden Erfolg konnten etwa ab 2000 kleinere Verlage mit Manga-Versionen von amerikanischen Kitschromanen, sogenannten Harlequin-Romanen, erzielen. Überraschend auch deshalb, da nur wenige Jahre zuvor noch der Ladies Comic gerade ob seiner trivialen Inhalte stark kritisiert wurde. Die meisten dieser Titel werden von etablierten Shōjo-Mangaka gezeichnet, so wie etwa Fujita Kazuko, Sanazaki Harumo und Hoshiai Misao.

Die größten Hits der 2000er gelangen Ninomiya Tomoko und Umino Chika. Ihre preisgekrönten Mangas Nodame Cantabile über einen hochbegabten Musikstudenten und seine Bezeihung zu seiner tollpatschigen Zimmernachbarin und Honey and Clover über das Alltags- und Liebesleben einer Gruppe Kunststudenten wurden zu Bestsellern, in mehrere Sprachen übersetzt und als Anime-Fernsehserien umgesetzt.

Wichtige Titel[Bearbeiten]

1980er Jahre[Bearbeiten]

1990er Jahre[Bearbeiten]

2000er Jahre[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jaqueline Berndt: Phänomen Manga. Quintessenz Verlag, 1995, ISBN 3-86124-289-3, S. 126–137.