Fernsehserie

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Die meisten Animes, die produziert werden, erscheinen als erstes im Fernsehen. In der Anfangsphase des japanischen Fernsehens waren dies Serien, die vor allem im Kinderprogramm liefen, so wie auch bei uns. Eine Wandlung trat hier erst 1977 ein, als der erste Uchuu Senkan Yamato Kinofilm das Medium gesellschaftsfähig machte. Dieser Kinofilm bestand zu großen Teilen aus zusammengeschnittenen Szenen der früheren Fernsehserie von 1973. Von jetzt an wurden Fernsehserien speziell auf Kinder, Jungendliche, sowie junge Erwachsene konzipiert. Den Höhepunkt erreichte diese Unterteilung in den späten 1990er Jahren, als durch die wirtschaftliche Rezession Produktionen direkt für den Kaufmarkt (OVA) immer weniger erfolgreich waren und die Anime-Studios versuchten, durch sogenannte "Late Night Series" auch ein nun erwachsenes Publikum anzusprechen. In "Late Night Series" werden auch umstrittene Themen angesprochen und deutlich mehr nackte Haut (Fanservice) gezeigt, als dies bisher im Fernsehen üblich war.

Anders als dies die tägliche Ausstrahlung von Anime-Serien in Deutschland nahelegt, werden Fernsehserien in Japan im wöchentlichen Rythmus gesendet . Dies liegt an der Produktionsweise: Mit der Produktion einer neuen Fernsehserie wird normalerweise einen bis sechs Monate vor der Ausstrahlung der ersten Folge begonnen, letzte Hand an eine einzelne Episode wird in der Woche vor der Veröffentlichung gelegt. Es sind Serien bekannt, die weniger als drei Wochen Vorlaufzeit hatten, so daß praktisch in den sechs Tagen zwischen den Ausstrahlungen jeweils eine neue Folge produziert werden mußte.
Die Verträge werden dabei von den Produzenten, dem Produktionsstudio und den Fernsehsendern normalerweise für die Dauer eines Quartals ausgehandelt, deshalb haben die meisten TV-Serien auch 13, 26, 39 oder 52 Folgen. Am Sendetermin innerhalb der Woche wird dabei strikt festgehalten, so daß Feiertage zu einer Verringerung der Folgenzahl auf z.B. 12 oder 25 führen können. Auf der anderen Seite gibt es zu bestimmten Feiertagen auch gerne zusätzliche Folgen wie z.B. zu Weihnachten oder Neujahr. Diese haben dann häufig den Feiertag zum Thema.

Manche TV-Serien, insbesondere für Kinder, haben sehr viele Episoden: In diesen Fällen ist häufig einer der Hauptgeldgeber ein Spielzeug- oder Videospielehersteller, der natürlich möglichst lange seine Merchandise-Artikel zur Serie verkaufen möchte. Und so gibt es in diesen Serien die ominösen Monster der Woche, die viele Folgen füllen, in denen die Handlung dann kaum fortschreitet. Über die Jahre hinweg kann man allerdings beobachten, dass lange TV-Serien seltener werden. Waren in den 1970er und 1980er Jahren 40 bis 52 Folgen die Regel, ja erreichten sehr viele Serien auch bedeutend mehr Folgen, so fand dies mit der Wirtschaftskrise 1995 sein Ende. Auch die "Late Night Series", die meistens nur 13, selten 26 Folgen hatten, sind ein gutes Beispiel für diese Entwicklung. Heutzutage starten jedes Quartal 10 bis 15 Serien, von denen ca. die Hälfte 13 Folgen hat und höchstens eine oder zwei die 26 Folgen überschreitet. Allerdings zeigen Serien wie Conan, InuYasha oder Naruto, das auch im neuen Jahrtausend Serien mit deutlich über 100 Folgen Erfolg haben können.

Eine weitere Besonderheit ergibt sich aus den Unterschieden zwischen den Fernsehlandschaften in Japan und in Deutschland. Wir in Deutschand kennen vor allem bundesweit sendende Fernsehsender - in Japan findet man vor allem regionale Kanäle, die nur in sehr begrenzten Gebieten zu empfangen sind, und kostenpflichtige Satellitensender. Die meisten Anime-Serien werden zunächst bei einem der großen regionalen Sender wie z.B. TV-Tokyo veröffentlicht. Später erfolgt mit ein bißchen Glück noch eine Wiederholung auf einem Pay-TV-Sender wie WowWow, ansonsten aber nur noch die Veröffentlichung der Serie auf einem Kaufmedium. Endlose Wiederholungen wie in Deutschland sind in Japan schlicht unbekannt. Eine abgelaufene Serie verschwindet schon nach sehr kurzer Zeit völlig in der Versenkung, so daß eine Wiederbelebung nur durch eine neue Produktion möglich ist. Deshalb ist der Reiz auch sehr hoch, von erfolgreichen Serien weitere Staffeln zu produzieren. Weil die Serien normalerweise nicht wiederholt werden, gibt es natürlich auch einen Anreiz, den Anime im Laden zu kaufen.