Anime

Aus Aniki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Anime (jap. アニメ, Betonung auf der ersten Silbe) ist eine Abkürzung von アニメーション (animēshon), was dem englischen Wort animation entlehnt ist. In Japan bezeichnet man mit diesem Begriff alle Arten von Trickfilmen (nicht nur gezeichnete, sondern auch animierte Puppen u.ä.), auch ausländische Cartoons. Außerhalb Japans bezeichnet man mit Anime jedoch explizit die japanischen Zeichentrickfilme.

Historisches[Bearbeiten]

In der Frühphase der japanischen Animation schauten die Produktionsstudios vor allem nach erfolgreichen Manga-Serien, die eine große Käufergruppe erwarten lassen konnten. Für Animationen wurde damals kaum Geld investiert, da Anime zu der Zeit hauptsächlich Kinder als Zielgruppe hatten. Nach dem riesigen Erfolgs des Uchū Senkan Yamato Kinofilms (1977) wurde das Budget für folgene Animationen deutlich erhöht.

Schauten früher die Produktionsstudios vor allem nach erfolgreichen Manga-Serien, die einen großen Absatzmarkt erwarten ließen, sind heute Animes zu erfolgreichen Computerspielen (z.B. Dating-Sims) häufiger geworden.

Für detaillierte Informationen mit Beispielen, siehe Geschichte des Anime.

Inhalt moderner Anime[Bearbeiten]

Während europäische und amerikanische Zeichentrickfilme hauptsächlich auf ein jüngeres Publikum abzielen, kindgerechte Inhalte und Comedy daher im Vordergrund stehen und andere Genres eher Randerscheinungen darstellen, gibt es bei Anime ein breit gefächertes Themenspektrum für alle Altersstufen. Von Literaturverfilmungen (zum Beispiel Das Tagebuch der Anne Frank) über Horror (Perfect Blue) bis hin zu Sciencefiction (Candidate For Goddess) werden nahezu alle Bereiche und Altersklassen abgedeckt. Selbst erotische bis hin zu pornographischen Animes gibt es, obgleich sie entgegen der landläufigen Meinung nur einen Bruchteil des Anime-Marktes darstellen (ca. 5%, siehe Hentai). Auch gibt es Genres bei Anime, die fast ausschließlich in diesen vorkommen (zum Beispiel Mecha-Serien, die von überdimensional große Robotern handeln, oder Magical Girl, in denen die Hauptcharactere sich auf magische Weise verwandeln können).

Anime-spezifische Elemente[Bearbeiten]

Besonders in Animes für das jüngere Publikum werden besondere Elemente angewendet, um bestimmte Situationen auszudrücken, so sind zum Beispiel hochrote Köpfe ein Anzeichen für eine besonders große Peinlichkeit, viele Schweißtropfen im Gesicht deuten auf Ahnungslosigkeit, eine große Schweißperle an den Schläfen zeigt Verlegenheit und Wut wird meist durch einen sehr großen Körper dargestellt, der sich über einen anderen beugt und diesen anschreit. Während ernster angelegte Filme und Serien wie Ghibli-Produktionen u.a. im Normalfall auf solche Elemente verzichten, gibt es auch Serien, die sie so einsetzen, daß sie den komödiantischen Character der Serie unterstreichen, wie zum Beispiel in Excel Saga und Puni Puni Poemi.

Anime-Industrie in Japan[Bearbeiten]

Veröffentlichungsarten[Bearbeiten]

Anime-TV-Serien haben, ebenso wie auch westliche Cartoonserien, für gewöhnlich 13, 26 oder 52 Folgen, so dass bei wöchentlicher Ausstrahlung eine Laufzeit von einem viertel, einem halben oder einem ganzen Jahr erreicht wird. Im Gegensatz zu westlichen Serien sind die meisten Anime-Serien nicht als Endlosserien ausgelegt, obwohl insbesondere Manga-Verfilmungen oft auf weit mehr als 100 Folgen kommen können. Weitere häufig anzutreffende Episodenanzahlen sind 12 und 24.

Neben TV-Serien und Kinofilmen gibt es noch ein weiteres Format für Anime: OVA (Original Video Animation), auch OAV (Original Animated Video) genannt, das speziell für den Kaufvideo- und DVD-Markt produzierte Animes bezeichnet. Die Zielgruppe sind meist junge Erwachsene, daher sind die Inhalte in der Regel mit viel Fanservice oder sogar expliziten Darstellungen versehen.

Als Ausnahme wurde die Serie Psychic Academy Aura Banshō, deren Folgenlänge gerade mal 10 Minuten betrug, nicht im TV ausgestrahlt, sondern von März bis September 2002 jede Woche auf der Website von Lycos Japan zum downloaded angeboten.

Finanzierung[Bearbeiten]

Ein Anime finanziert sich heutzutage einerseits durch Fernsehvermarktung und dem Verkauf im Laden, andererseits werden große Umsätze mit Merchandise wie Postern, Pencilboards, Artbooks, Figuren, Soundtracks, Computerspielen und Hörspielkassetten gemacht.

Zusätzlich werden häufig zwischen Vorspann und vor der eigentlichen Folge und nach dem Abspann kurz einige Werbebanner von Sponsoren (提供 teikyō) eingeblendet, die das Animationsstudio finanziell unterstützen.

Diese zusätzlichen Nebeneinnahmen wurden in der letzten Zeit zu einer der Haupteinnahmen des Anime-Marktes.

Bekannte Anime-Studios[Bearbeiten]

Das bekannteste und erfolgreichste japanische Anime-Studio ist Studio Ghibli, in dem seit 1985 unter der Leitung von Miyazaki Hayao ein Blockbuster nach dem anderen entstand, unter anderem Prinzessin Mononoke (1997), Chihiros Reise ins Zauberland (2001), Das wandelnde Schloss (2004).

Seinen bisher größten weltweiten Erfolg feierte Studio Ghibli mit Chihiros Reise ins Zauberland: Der Film erhielt neben zahlreichen internationalen Zuschauer- und Kritikerpreisen im Jahr 2002 den Goldenen Bären auf der Berlinale und im Jahr 2003 den Oscar als bester Animationsfilm, was ihn zum meistausgezeichneten Zeichentrickfilm aller Zeiten macht.

Weitere profilierte Produktionsstätten sind:

Arbeitsbedingungen japanischer Anime-Zeichner[Bearbeiten]

Laut einer im Jahr 2005 durchgeführten Studie arbeiten japanische Anime-Zeichner im Durchschnitt 10,2 Stunden pro Arbeitstag bzw. 250 Stunden pro Monat. Zwei Drittel aller Zeichner verdienen weniger als 3 Millionen Yen (ca. 21.700 Euro) pro Jahr, 27 % geben sogar einen Jahresverdienst von weniger als 1 Million Yen (ca. 7.200 Euro) an. 80 % aller Zeichner arbeiten nach einem festen Bezahlungsschema, bei dem sie pro Einzelbild im Durchschnitt 186,9 Yen (ca. 1,35 Euro) erhalten.

Anime in Deutschland[Bearbeiten]

Anime im deutschen Kino[Bearbeiten]

Der erste Anime in Deutschland war der Kinofilm Der Zauberer und die Banditen von Studio Tōei aus dem Jahr 1959. Er hatte seinen deutschen Kinostart am 16. März 1961.

Seither sind im deutschen Kino insgesamt ca. 25 bis 30 Anime-Filme gezeigt worden, unter anderem Akira (1991), Ghost in the Shell (1997), Perfect Blue (2000), Prinzessin Mononoke (2001), Chihiros Reise ins Zauberland (2003) und Das wandelnde Schloss (2005). Die bisher höchsten Zuschauerzahlen hatten die drei im Kino gezeigten Filme zur Pokémon-Serie.

Anime im deutschen Fernsehen[Bearbeiten]

Siehe auch: Liste der im deutschsprachigen Fernsehen ausgestrahlten Anime

Die erste Anime-Serie im deutschen Fernsehen war die Serie Speed Racer (Tatsunoko Productions, 1967), von der im November und Dezember 1971 in der ARD drei Folgen gezeigt wurden. Die vierte Folge war zwar für den 23. Dezember 1971 angekündigt, ihre Ausstrahlung wurde jedoch aufgrund von Protesten von Eltern kurzfristig gestrichen und die Serie vollständig abgesetzt.

Am 31. Januar 1974 startete mit Wickie und die starken Männer der nächste Anime im deutschen Fernsehen, dieses Mal im ZDF. Weitere Starttermine bekannter und inzwischen zum Kult gewordener Anime-Serien:

5. November 1974: Barbapapa (ZDF)
9. September 1976: Die Biene Maja (ZDF)
8. September 1977: Pinocchio (ZDF)
18. September 1977: Heidi (ZDF)
21. September 1978: Sindbad (ZDF)
6. September 1980: Marco (ARD)
27. September 1980: Captain Future (ZDF)
29. August 1981: Nils Holgersson (ARD)

Mit Ausnahme von Captain Future, gegen das es zahlreiche Proteste von Eltern gab und vor dem in den 1980er-Jahren sogar in einigen Schulbüchern gewarnt wurde, umfassten Animes im deutschen Fernsehen lange Zeit nur Serien für Kindergarten- und Grundschulkinder – und dass es sich dabei um Zeichentrickfilme japanischen Ursprungs handelte, ist selbst heute teilweise noch nicht bekannt. (Zum Vergleich: Das Altersspektrum der in Frankreich, Spanien und Italien ausgestrahlten Anime reichte schon Ende der 1970er-Jahre bis zu älteren Jugendlichen, eine gezielte Anime-Fanbewegung entwickelte sich dort bereits im Laufe der 1980er-Jahre.)

Am 11. Januar 1988 ging aus dem Musikvideo-Abspielprogramm musicbox der Privatsender Tele 5 hervor. In seinem Nachmittagsprogramm Bim Bam Bino wurden ca. ab 1989 zum ersten Mal in Deutschland auch Anime für ältere Kinder und Jugendliche ausgestrahlt. Serien wie Miyuki, Mila Superstar, Die Königin der tausend Jahre und Saber Rider und die Starsheriffs führten zur Gründung von ersten Anime-Fanclubs in Deutschland, die sich aber oft auf die jeweilige Serie beschränkten. Nach der Umwandlung von Tele 5 in das Deutsche Sportfernsehen (DSF) am 1. Januar 1993 wurden einige dieser Anime von anderen Privatsendern übernommen, andere wurden jedoch nie wieder gezeigt.

Einen entscheidenden Schub erlebte die deutsche Anime-Fanszene durch die fünf Staffeln bzw. 200 Folgen lange Serie Sailor Moon. Beim Zeigen der ersten TV-Staffel von Oktober 1995 bis September 1996 im ZDF wurde die Serie allerdings wegen ihrer Ausstrahlung inmitten eines Zeichentrick-Programmblocks von den meisten TV-Zeitschriften nicht gesondert erwähnt. Erst durch die erneute Ausstrahlung ab Mai 1997 bei RTL II wurde Sailor Moon, dessen primäre Zielgruppe in Japan eigentlich Mädchen in der Pubertät waren, zum Kultfaktor einer neuen Fanbewegung. Es folgte eine ganze Welle von weiteren Animeserien, zum Teil um Dekaden verspätet (Dragonball unter anderem)

Eine sehr stiefmütterliche Behandelung widerfuhr den Anime, die auf VOX bzw. VIVA um die Jahrtausendwende ausgestrahlt wurden. Serien wie Hellsing, Noir und Golden Boy wurden auf VIVA aus Jugendschutzgründen unter der Woche zur Nacht gesendet. Noch ungünstiger war die Handhabe auf VOX, dass u.a. Record of Lodoss War und Neon Genesis Evangelion zu zweistündigen Blöcken zusammenfaste, sie mit semiprofessionellen dt. Untertiteln belegte, um die Synchro einzusparen, und unregelmäßig nach Mitternacht sendete. Trotz dieser ungünstigen Vorgehensweise erlangten diese Serien hierdurch auch in Deutschland Kultstatus, wenn auch nur in kleinerem Kreise.

Anime auf deutschen Kaufmedien[Bearbeiten]

Die ersten deutschen Kauf-Anime gab es im Jahr 1975 auf so genannten "TED-Bildplatten" ("Television Discs"), analogen Vinyl-Bildplatten, die eine Spieldauer von ca. 10 Minuten pro Seite hatten und nur von einem einzigen Abspielgerät der Firma Telefunken gelesen werden konnten.Quelle Sie verschwanden bereits im folgenden Jahr wieder vom Markt. Bei den darauf angebotenen Animes handelte es sich um einzelne Folgen der Serien Speed Racer, Hotte Hummel, Judo Boy und Calimero.

Der erste vollständige Anime-Spielfilm, den es in Deutschland zu kaufen gab, war der Film Perix der Kater und die drei Mausketiere von Studio Tōei aus dem Jahr 1969, der Ende der 1970er-Jahre von der Firma piccolo film auf Super-8-mm-Film angeboten wurde (Ton/farbig, 2 Rollen à 120 m Lauflänge, Spielzeit ca. 90 Min.).

In den 1980er-Jahren erschienen zahlreiche Animes auf VHS-Kassetten, wobei es sich meistens um Kinderserien handelte und nicht auf die Herkunft der Serien oder Filme verwiesen wurde. Beispielsweise erschien der Film Lupin III: Cagliostro no Shiro in einer aus Frankreich stammenden, stark geschnittenen Version unter dem Titel Hardyman räumt auf. Damals wurde mit Angel, das Blumenmädchen auch die erste Magical-Girl-Serie in Deutschland auf VHS veröffentlicht.

Die ersten VHS-Kassetten, mit denen gezielt Fans japanischer Animationen angesprochen werden sollten und bei denen ausdrücklich Japan als Produktionsland genannt wurde, stammten aus dem Jahr 1986. Damals wurden unter dem Label „Japan Home Video“ einzelne Folgen der Serien Die Abenteuer der Honigbiene Hutch, Demetan der Froschjunge und Macross veröffentlicht, wobei darauf geachtet wurde, dass Originalmaterial möglichst unverändert zu lassen – der japanische Vor- und Abspann blieben erhalten, und vorkommende Songs wurden japanisch belassen. „Japan Home Video“ verschwand jedoch bereits 1987 wieder vom Markt.

Der nächste Versuch eines eigenen deutschen Anime-Labels begann 1995 mit dem Film Plastic Little, der in einer offiziellen Auflage von 2.500 VHS-Kassetten erschien und zugleich der erste deutsche Kauf-Anime im japanischen Original mit deutschen Untertiteln war. In der Folgezeit wurden immer mehr Anime-Kaufvideos veröffentlicht (z. B. Gunsmith Cats, Bubblegum Crisis, Devil Hunter Yōko). Das dabei auftretende Problem, dass die Fans Originalfassungen mit Untertiteln bevorzugten, während für den Massenmarkt eher synchronisierte Fassungen erforderlich waren, löste sich mit dem Aufkommen der DVD, auf der beide Formate gleichzeitig angeboten werden konnten.

Eine (unvollständige) Übersicht gibt es hier: Anime-A-Z und Kategorie:Anime.

Weblinks[Bearbeiten]

  • AIDB Anime-Informationsdatenbank mit Releaselisten, Episodenlisten und TV-Planer
  • Manga & Anime Portal Informationen über veröffentlichte und erscheinende Anime in Deutschland

Anime-Review Seiten: